Verbindung zur Seele: Die Begegnung, die alles in ein anderes Licht stellte
Veröffentlicht von Stefan Rath am

Vor Kurzem saß ich nachmittags auf der Terrasse, blickte in den Himmel und beobachtete die Wolken. Zwei Milane kreisten, der Wind rauschte in den Bäumen, und beiläufig dachte ich daran, dass sich eine Manifestation erfüllt hatte (an der ich lange gearbeitet hatte). Da meldete sich der Gedanke, dass ich dankbar sein und mir für das Erreichte auf die Schulter klopfen sollte, was ich ohnehin viel zu selten tue.
Was dann geschah, würde ich heute als spürbare Verbindung zur Seele beschreiben. Plötzlich legte sich ein eigenartiges Gefühl über mich, als würde mich eine warme Decke aus Licht einhüllen. Frieden breitete sich aus, eine tiefe Erfüllung und eine Rührung, die einem die Tränen in die Augen treibt.
Wie sich eine Verbindung zur Seele anfühlen kann
Wie von selbst stiegen innere Bilder aus meiner Vergangenheit auf. Lebensabschnitte, an die ich lange nicht mehr gedacht hatte, und auch solche, an die ich nicht denken wollte. Über allem lag ein zutiefst würdevolles Gefühl. Es war, als wollte mich etwas daran erinnern, was in meinem Leben wirklich von Wert gewesen war und was ich mir erschlossen hatte.
Im Zentrum stand das Anerkennen meiner selbst. Etwas ganz tief in mir schien mir sagen zu wollen, dass es stolz auf mich ist, dass auch ich stolz sein darf und dass alles gut ist.
Bemerkenswert finde ich im Rückblick, wie der Moment begann. Der Gedanke, dankbar sein zu sollen, war zunächst eine Pflichtübung des Kopfes, ein Häkchen auf einer inneren Liste. Was danach kam, hatte mit Pflicht nichts zu tun. Ob es Zufall war oder ob gerade das beiläufige Innehalten der Tür einen Spalt geöffnet hat, weiß ich nicht. Auffällig bleibt, dass es nicht geschah, als ich etwas erreichen wollte, sondern in einer Pause.
Die Tränen kamen tatsächlich, während die schönen wie die schrecklichen Bilder an mir vorbeizogen. Mir wurde klar, wie sehr ich in diesem Leben gekämpft hatte: wie viel Kraftanstrengung in allem gelegen hatte, wie wenig Genuss und Leichtigkeit über so viele Jahre, wie viel Verzweiflung und Dunkelheit ich mir selbst erschaffen hatte. Und wie dankbar ich sein darf, dass all das hinter mir liegt.
Nach und nach nahm ich in meinem Herzen eine warme, immer größer werdende Energie wahr. Da wusste ich, dass ich mit meiner Seele in Kontakt war.
Würde man den Menschen Stefan fragen, ob er das Leben, das er geführt hat, noch einmal führen wolle, er würde Nein sagen. Die Seele sieht das anders. Sie will leben, sie will diese menschliche Erfahrung so sehr, dass sie alles dafür in Kauf nimmt, absolut alles. So kostbar ist jede Sekunde, die wir atmen.
Ergriffenheit: Was die Forschung über Rührung weiß
Die Psychologie hat für den körperlichen Teil dieses Erlebens einen Namen. Der Anthropologe Alan Fiske und sein Team beschreiben unter dem Begriff Kama Muta (aus dem Sanskrit, sinngemäß „bewegt von Liebe“) eine Emotion, die entsteht, wenn sich Verbundenheit plötzlich intensiviert. Typisch sind Wärme in der Brust, feuchte Augen oder Tränen, Gänsehaut und ein Kloß im Hals. In einer Studie im Fachjournal Emotion wurden dazu 3.542 Menschen in 19 Ländern befragt, und die Anzeichen zeigten sich über Sprachen und Kulturen hinweg erstaunlich stabil. Die Arbeit ist frei einsehbar: Kama Muta in 19 Nationen und 15 Sprachen (PubMed).
Was diese Forschung beschreibt, ist die Gestalt des Erlebens, nicht seine Ursache. Womit wir uns in solchen Momenten verbunden fühlen, kann kein Fragebogen beantworten, und die Studie behauptet das auch nicht. Genau hier beginnt für mich die Deutung, und ich halte es für wichtig, Erfahrung und Deutung auseinanderzuhalten. Dass der Körper so reagiert, ist messbar. Dass es meine Seele war, ist meine Erfahrung und mein Glaube.
Die Verbindung zur Seele und das Selbst bei C.G. Jung
C.G. Jung unterschied das Ich, den Mittelpunkt unseres Bewusstseins, vom Selbst, das er als Ganzheit der Psyche verstand. Zu dieser Ganzheit gehören auch die Anteile, die wir ablehnen oder verdrängen. Das Ich hütet ein möglichst positives Bild von uns, das Selbst schließt den Schatten mit ein. Individuation nannte Jung den lebenslangen Weg, sich dieser Vollständigkeit bewusst zu werden.
Das Selbst im Sinne Jungs ist nicht dasselbe wie die Seele, von der ich spreche, und ich möchte das sauber trennen. Die Struktur ist dennoch bemerkenswert ähnlich: Es gibt ein Zentrum, das größer ist als das Ich, und es sieht auch das, was das Ich lieber nicht sehen würde. Der Mensch Stefan sagt Nein, weil das Ich die Bilanz nach Leid und Verlust aufmacht. Auf der Terrasse durften auch die Bilder da sein, die ich nicht sehen wollte, und sie standen im selben würdevollen Licht wie alles andere.
Auch der Stolz, den ich spürte, war von anderer Art als der, den das Ich kennt. Der Stolz des Ichs braucht den Vergleich, er misst sich an anderen und möchte bestätigt werden. Was da in mir aufstieg, brauchte weder Publikum noch Maßstab. Es war ein stilles Gutheißen, wie man es empfindet, wenn jemand, den man liebt, etwas Schweres geschafft hat.
Es sind Momente wie dieser, in denen sich der Standpunkt verschiebt, von dem aus wir unser Leben betrachten. Wertigkeiten ordnen sich neu. Aus einer höheren Perspektive erkennen wir, dass das, was wir im Kern sind, alles genau so wollte, wie es war.
Die Verbindung zur Seele bringt Frieden, Würde und Verbundenheit. Sie gibt uns unsere Ermächtigung zurück, lässt den Traum von Ohnmacht und Überwältigung verblassen und hinterlässt uns ergriffen vom Wert unseres Lebens.
Was wir vor der Geburt gewählt haben könnten
Heute glaube ich, und ich schreibe das nur ungern, dass unsere Fähigkeit zur Verbindung mit dem wahren Wesenskern von Entscheidungen beeinflusst wird, die wir seelisch bereits im Mutterleib treffen. Die Einwände gegen einen solchen Satz kenne ich, viele davon teile ich. Er lässt sich nicht beweisen, und er sollte niemals dazu dienen, Menschen für ihr Leid verantwortlich zu machen.
Die Vorstellung selbst ist alt. Platon lässt am Ende seiner Politeia den Krieger Er von einer Schau berichten, in der Seelen vor der Geburt ihre Lebensmuster wählen (Buch X, um 617e). Im Mittelpunkt steht dort die Verantwortung des Wählenden. Ich möchte diesen Gedanken bewusst anders wenden, nicht als Vorwurf, sondern als Würde: Ein Leben, das gewählt wurde, ist ein Leben, dem etwas zugetraut wurde. Der Mythos ist ausdrücklich ein Mythos, ein Bild und kein Beweis. Und doch zeigt er, dass Menschen seit Jahrtausenden ahnen, dass hinter dem Leben, das wir führen, eine Wahl stehen könnte, die größer ist als unser Alltagsbewusstsein.
Natürlich dürfen wir uns innerlich darauf ausrichten, dass unser Weg machbar und erfüllend sein kann, denn wir programmieren uns mit unseren Gedanken immer auch selbst. Gleichzeitig können wir aus einer höheren Perspektive anerkennen, dass all dies den Rahmen nie verlassen wird, den unsere Seele in den ersten Momenten gewählt hat.
Wenn die Verbindung zur Seele wieder leiser wird
Ich vermute, dass fast alle Menschen solche Momente kennen. Augenblicke, in denen sie dem nahekommen, was sie wirklich sind, in denen alles in einem anderen Licht erscheint und sie sich innerlich würdevoll aufrichten. Sie erkennen, dass alles seinen rechten Lauf genommen hat, auch wenn es anders gewirkt haben mag. Und dann wird es wieder Alltag, das Ich übernimmt das Steuer, und die Wärme im Herzen tritt in den Hintergrund.
Ein Satz wie „alles ist gut“ lässt sich missbrauchen, und ich möchte ihn nicht als Decke über echten Schmerz legen. Was auf der Terrasse geschah, hat mein Leid nicht kleiner gemacht. Es hat ihm einen Platz gegeben. Zwischen Verharmlosen und Würdigen liegt für mich der entscheidende Unterschied, und die Seelenperspektive ersetzt keine Verarbeitung dessen, was wehgetan hat.
Vielleicht liegt der Wert solcher Erfahrungen gerade darin, dass sie einen Maßstab setzen. Wer einmal gespürt hat, wie die Seele auf das eigene Leben blickt, trägt diese Erinnerung weiter, auch wenn das Gefühl selbst vergeht. In dunkleren Stunden lässt sich darauf zurückkommen, ohne die Dunkelheit zu leugnen.
In meiner Arbeit mit ThetaHealing® erlebe ich, dass sich solche Momente nicht herbeizwingen lassen. Als Werkzeug kann es begleiten, Überzeugungen anzuschauen, die zwischen uns und diesem Kontakt stehen, ein Versprechen ist es nicht. Die Seele lässt sich weder machen noch beschleunigen. Sie ist da, und manchmal, an einem Nachmittag mit zwei Milanen, lässt sie uns für einen Atemzug wissen, dass sie da ist.
Was für eine immense Erfahrung das Menschsein doch ist. Auch wenn jeder von uns seinen eigenen Weg wählt, sind wir Brüder und Schwestern einer Menschheitsfamilie, und diese Verbundenheit wird nie verschwinden, ganz gleich, wie sehr wir uns verlieren mögen.
Dein Leben ist Deine Wahl, und es ist eine ambitionierte Wahl: die Wahl, große Schritte zu gehen. Ganz gleich, was Du von Dir und Deinem Leben denkst, Deine Seele lächelt Dir zu. Sie weiß, dass alles gut ist.